Trends im Anlagemanagement – neue Technologien auf dem Vormarsch

Mittelständler in Deutschland wünschen sich von ihrer Hausbank verstärkt digitale Beratungsleistungen und wollen ihre Anlagegeschäfte zunehmend digital abwickeln. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Anlagemanagement im Wandel: Neue Technologien ergänzen traditionelle Beratung“ von der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) und der Commerzbank.

Viele der befragten mittelständischen Unternehmen sind offen gegenüber Kommunikation via Video, Chat, Online-Dialog und Chatbots oder nutzen diese Online-Beratungsmöglichkeiten schon. Darüber hinaus wollen Mittelständler deutlich mehr wertpapierbasierte Anlagen online kaufen oder verkaufen. Im Zahlungsverkehr und bei der Verwaltung von Tages- und Termingeldern hat sich Onlinebanking bereits etabliert, während beim An- und Verkauf von Wertpapieren noch Nachholbedarf besteht. Als Reaktion darauf müssen Banken ihre Digitalisierung konsequent vorantreiben und Kunden früher positive Erfahrungen im E-Commerce von Anlageprodukten bieten.

Beratungsangebote von Banken bleiben für Mittelständler wichtig. Zudem steigt der Anlagebedarf laut der aktuellen 9. Studie im Vergleich mit den Vorgängerstudien zum Finanzanlageverhalten im Mittelstand wieder an. Dabei setzen Unternehmen nach wie vor bei ihren Anlagen vor allem auf Sicherheit vor Ertrag und Liquidierbarkeit. Zur Vermeidung von Negativzinsen werden kurzfristige Liquiditätspolster angesichts der guten Konjunktur bewusst reduziert. Mittelständische Unternehmen bevorzugen auch weiterhin vor allem Direktanlangen wie Sichteinlagen und Termingelder, jedoch gewinnen der aktuellen Studie zufolge nun auch Fondslösungen sowie nachhaltige und alternative Anlagen an Bedeutung.

Die Studie macht Bedarfe und Kundenwünsche deutlich, die schon heute die Basis für viele Angebote der Commerzbank sind. Zugleich dienen die geäußerten Bedürfnisse als Ansporn und Inspiration, die Leistungen weiterhin konsequent an den Bedürfnissen des Mittelstands auszurichten. Im Folgenden sind die wichtigsten Ergebnisse der Studie zusammengefasst:

Interesse an innovativen Kommunikationsformen wächst

Die befragten mittelständischen Unternehmen nutzen bereits verstärkt innovative Beratungsleistungen. Das Potenzial für die künftige Verwendung innovativer Kommunikationsformen bei Banken ist enorm. Ein Fünftel der Firmen lässt sich bereits per Video beraten. Mehr als 60 Prozent würden dies künftig tun. 10 Prozent nutzen die Chatberatung, für mehr als die Hälfte käme dies in Zukunft infrage. Auch einer Beratung per Online-Dialog oder Chatbots, die auf künstlicher Intelligenz (KI) basieren, stehen viele Firmen offen gegenüber. Die Commerzbank bietet bereits eine innovative webbasierte Anlage- und Risikoberatung, abgestimmt auf den individuellen Bedarf von Firmenkunden.

Nachholbedarf beim An- und Verkauf von Wertpapieren

Das Onlinebanking hat sich bereits im mittelständischen Tagesgeschäft etabliert: 61 Prozent der Unternehmen nutzen es für die Verwaltung von Tagesgeldern, 40 Prozent schließen Termingelder elektronisch ab. Allerdings kaufen oder verkaufen nur wenige derzeit Wertpapiere oder Fonds über das Internet. Knapp ein Drittel kann sich jedoch vorstellen, dies künftig zu tun. Dazu müssen Banken aber die richtige Infrastruktur bereitstellen und dafür sorgen, dass der Einstieg oder Umstieg auf digitale Anlageprodukte für ihre Kunden reibungslos und intuitiv verläuft. Laut Studie wünschen sich Entscheider mittelständischer Unternehmen, dass ihre Geschäftsbank übersichtliche Informationen für Anlageentscheidungen über ihr Portal bereitstellt. Dazu zählen sie eine strukturierte, leistungsfähige Website und verständliche Factsheets. Über Commerzbank Termingeld Online können Firmenkunden liquide Mittel eigenständig zu marktgerechten Konditionen anlegen. Das Firmenkundenportal bietet eine Übersicht über alle Anlageoptionen wie Währungen oder Laufzeiten.

Anlagebedarf steigt – Anlagevolumen sinkt

Der Anteil der Befragten mit Anlagebedarf steigt 2018 auf 52 Prozent von 39 Prozent im Vorjahr. Das durchschnittliche jährliche Anlagevolumen verringert sich hingegen seit 2013 kontinuierlich. Das Anlagevolumen pro Transaktion geht noch deutlicher zurück. Die Gründe dafür sind vielfältig: Einige Unternehmen verfügen aufgrund von Investitionen über weniger Liquidität; bei anderen reduziert sich der Cashflow infolge gestiegener Personalkosten. Viele Mittelständler gehen auch langfristige Beteiligungen ein oder tätigen Übernahmen.

Fazit: Der Zenit im Anlagebedarf kurzfristiger Gelder dürfte daher überschritten sein. Mittelständler verwenden ihre im operativen Geschäft freigesetzte Liquidität vermehrt für Sachinvestitionen oder Gewinnausschüttungen. Teilweise sollen damit auch Guthabengebühren bei Kreditinstituten umgangen werden.

Sicherheit und Stabilität als wichtigste Anlagekriterien

Bei Mittelständlern geht Sicherheit vor Ertrag und Liquidierbarkeit der Anlage, außerdem wollen sie ihre Anlagegeschäfte zunehmend auch digital abwickeln können. Als wichtigstes Kriterium nennen die Befragten eine hohe Sicherheit aufgrund einer guten Bonität des Emittenten, gefolgt von einer hohen Sicherheit durch Staatsgarantien oder die gesetzliche Einlagensicherung. An dritter Stelle rangiert die Anforderung, dass die Anlage keine zwischenzeitlichen Kursschwankungen aufweisen soll. Außerdem gewinnt der Aspekt, für die Ausfinanzierung von Pensionsrückstellungen geeignet zu sein, an Bedeutung. Viele Betriebe schauen zudem eher auf eine digitale Abwicklungsmöglichkeit der Anlage als auf deren Kosten.

Erwartete Mindestrendite sinkt

Die Zinserwartungen im Mittelstand sind 2018 gesunken, liegen generell aber noch über dem Marktzinssatz. Demnach spielt die aktuelle Zinsentwicklung für Mittelständler bei der Festlegung ihrer persönlichen Mindestrendite nur eine geringe Rolle. Orientierungspunkte sind eher die bonitätsabhängigen, individuell zu zahlenden Kreditzinsen oder die langfristige Renditeerwartung an das eigene Unternehmen. Da Mittelständler in den vergangenen Jahren ihre Unternehmensgewinne teils deutlich steigern konnten, führte dies zu höheren Unternehmensrenditen sowie erhöhten Zins- und Renditeerwartungen. Demzufolge kann die avisierte Mindestrendite an den Kapitalmärkten derzeit allein mit Zinstiteln nicht erzielt werden.

Bedeutung mittel- bis langfristiger Anlagen wächst

Während der Finanzkrise wurde Liquidität möglichst kurzfristig angelegt. Nun zeigt sich der Trend, kurzfristige in länger laufende Anlagen umzuschichten. Die meisten Befragten legen in Laufzeiten von sechs bis zwölf Monaten an. Hingegen verlieren Geldanlagen mit Laufzeiten unter sechs Monaten stark an Relevanz. Die Firmen verringern im Einklang mit der guten Konjunktur bewusst kurzfristige Liquiditätspolster, um Negativzinsen zu vermeiden. Relativ gesehen gewinnen langfristige Anlagen mit dem zurückgehenden Liquiditätspolster an Bedeutung. Für mittel- bis langfristige Geldanlagen bietet das Commerzbank Firmendepot einen innovativen Service für den Handel und die Verwahrung von Wertpapieren mit nützlichen Funktionen wie Depotübersicht, Anzeige von Depotumsätzen, Orderbuch, Reporting sowie Abwicklung von Kapitalmaßnahmen.

Strategien gegen Niedrigzinsen

Mittelständler gehen sehr unterschiedlich mit Niedrigzinsen um. Die meisten gewichten Sicherheit aber höher als den Ertrag. Ein Viertel der Befragten wäre auch zur Vermeidung negativer Zinsen nicht bereit, die Anlagestrategie zu ändern. Lediglich 12 Prozent investieren aufgrund der Niedrigzinsen in längere Laufzeiten, 18 Prozent wählen deswegen bereits andere Anlageformen. Für eine schnelle Liquidierbarkeit würden 33 Prozent keine oder eine negative Rendite in Kauf nehmen.

Trends bei Direktanlagen

Die beliebtesten Direktanlagen bleiben mit jeweils gut 60 Prozent Sichteinlagen auf laufenden Konten sowie Festgeld und Termineinlagen. Doch wollen nur 17 Prozent auch weiterhin Sichteinlagen vorhalten, lediglich 19 Prozent wollen in Festgeld oder Termineinlagen ínvestieren.

Dagegen steigt die Bedeutung von Unternehmensanleihen, Aktien und Währungen als Anlageform. Auch Fondslösungen, vor allem gemischte Fonds und Rentenfonds, werden verstärkt gesucht. Der in den Vorgängerstudien bereits erkennbare Trend hin zu nachhaltigen und alternativen Anlagen verfestigt sich ebenfalls. Zahlreiche Befragte wünschen sich diesbezüglich mehr Produktangebote von ihrer Hausbank. Die Commerzbank-Kundenberater unterstützen Sie gerne bei der Suche nach einer Anlageform, die zu Ihrem Unternehmen passt. Ihren Ansprechpartner finden Sie hier.

Deckungslücke bei Pensionsverpflichtungen wächst

Bei den Pensionsverpflichtungen vieler Unternehmen entsteht eine wachsende Deckungslücke, die angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase oder fehlender finanzieller Mittel in den Firmen immer schwieriger zu schließen ist.

Wie die aktuelle Studie der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) und der Commerzbank zum Finanzanlageverhalten mittelständischer Unternehmen (Link zu Download) in Deutschland ergab, sind gut die Hälfte der befragten Betriebe Pensionsverpflichtungen eingegangen. Davon sind lediglich 58 Prozent gedeckt. Nur ein Drittel der Befragten will die betriebliche Altersversorgung angesichts des Niedrigzinsumfelds überprüfen.

Abhilfe könnten höhere Einzahlungen in geeignete Finanzinstrumente schaffen. Die Voraussetzung dafür wäre eine Analyse der aktuellen Deckungsrelation. Als Lösungskonzept würde sich eine Finanzierung über Treuhandmodelle wie „Contractual Trust Arrangements“ (CTA) oder eine Auslagerung in einen Pensionsfonds eignen.

Aktuelle Informationen zum Thema bAV

Die vollständige Studie „Anlagemanagement im Wandel: Neue Technologien ergänzen traditionelle Beratung“ der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) und der Commerzbank finden Sie hier als Download.